Meine Vorbereitung für den Te Araroa begann ein Tag, bevor ich losgelaufen bin. Dies ist jedoch dem geschuldet, dass ich die Monate zuvor bereits zwei andere Fernwanderwege gelaufen bin und der Ansicht war, ich benötige keine spezielle Vorbereitung. Im Großen und Ganzen sollte man sich jedoch sehr wohl mit der Vorbereitung auf diesen Trail befassen.

Neben der mentalen Einstellung, dass man die nächsten Monate in der Natur und weitestgehend unter freiem Himmel verbringen wird, ist Folgendes zu klären:

  1. Wie komme ich nach Neuseeland und wo starte ich?

Grundsätzlich kommt man am besten von Europa aus mit einer Airline über eines der großen Drehkreuze im Mittleren Osten nach Neuseeland. Mittlerweile bieten auch chinesische Fluggesellschaften interessante Optionen an und der Service ist weit besser als man denkt.

Der Weg wird am häufigsten von Nord nach Süd begangen, also die meisten Wanderer beginnen am Cape Reinga und gehen immer nach Süden, um im Örtchen Bluff anzukommen. Für diese Variante sollte man im Oktober starten, dann, wenn das Frühjahr in Neuseeland im vollen Gange ist. Im Sommer wird man dann über die Südlichen Alpen wandern und dafür das dann beste Wetter haben.

Wer entgegen dem Hauptstrom im Süden beginnen und nach Norden gehen möchte, sollte nicht viel später als Mitte/Ende Januar starten. So ist gewährleistet, dass man im Sommer über die Südlichen Alpen wandert und im Herbst auf der Nordinsel unterwegs ist und damit auch den Winter im Tongariro Nationalpark vermeidet.

2. Welche Ausrüstung nehme ich mit?

Mit dem Thema Ausrüstung befasse ich mich ausführlich unter „Rüstzeug“.

3. Wie navigiere ich?

Es gibt eine wunderbare App von Guthook bzw. Atlas Guides. Nach dem Herunterladen kann man das Kartenmaterial auf seinem Telefon auch offline verwenden und weiß anhand der GPS-Funktion immer, wo man sich befindet. Neben Informationen zur Lage der Schutzhütten und Wasserstellen, erhält man zahlreiche andere wichtige Informationen, z.B. über die Möglichkeit, sich unterwegs zu verpflegen.

Neben dieser Möglichkeit bietet die offizielle Website des Te Araroa den Download von Kartenmaterial an, welches man sich ausdrucken und samt einem Kompass mitnehmen kann. Eine Notnavigation sollte man immer dabei haben, jedoch sollte man auch Karte und Kompass umgehen können.

4. Was esse ich und wie oft kann ich mich verpflegen?

Hier sind keine Grenzen gesetzt! Ich habe Wanderer erlebt, die relativ frisch und kulinarisch äußerst abwechslungsreich gekocht haben. Dafür muss jedoch Gemüse mit umhergetragen werden. Ich persönlich achte darauf, dass ich verhältnismäßig ausgewogen esse, d.h. vor allem genügend Proteine zu mir nehme. Auch darf die Verpflegung nicht zu schwer sein. Mein Frühstück besteht daher immer aus Haferflocken, die ich bereits im Vorfeld mit Nüssen, getrockneten Früchten und gern ein paar Schokostücken mische. Das muss dann morgens nur mit heißem Wasser aufgegossen werden. Zum Mittagessen gibt es oft Cracker mit Nutella und am Abend eine Portion Ramen-Nudeln mit Fisch aus der Packung. Zwischendurch Schoko- und Müsliriegel, Nüsse und gern Gummitiere. Ich achte darauf, dass ich pro Tag nicht mehr als 500 g an Nahrung mitnehme, die jedoch mindestens um die 2500 bis 2800 Kalorien liefert. Auch wenn die Tendenz auf den Fernwanderwegen dahin geht, dass man keinen Kocher dabei hat, um Gewicht zu sparen, meine ich, dass es nach einem langen Tag Wandern bei feucht-kaltem Wetter abends nichts Besseres gibt, als eine Tasse warmen Tee oder Kakao zu trinken.

Verpflegen kann man sich in Neuseeland relativ gut in den kleinen Ortschaften entlang des Weges. Manchmal führt der Weg direkt zu einem Ort, viel öfter jedoch quert der TA eher eine Straße, an der man dann versucht, per Anhalter in eine Ortschaft zu fahren. Da in Neuseeland mittlerweile sehr viele Touristen, vor allem mit dem Auto, unterwegs sind, hatte ich nie Probleme, eine Mitfahrgelegenheit zu bekommen. Ich wurde sowohl von „Kiwis“, so nennen sich die Neuseeländer selbst, aber auch von anderen Touristen mitgenommen. Einige Regionen jedoch, vor allem im Norden der Südinsel, sind so entlegen, dass es anzuraten ist, sich selbst ein kleines Versorgungspaket zu schicken. Am Arthur’s Pass beispielsweise, gibt es zwar eine kleine Tankstelle, aber die Auswahl an Lebensmitteln ist begrenzt und die Preise vergleichsweise hoch. So habe ich mir ein Paket für die nächste Woche an das Hostel am Arthur’s Pass geschickt. Insbesondere Hostel und Hotels in den abgelegenen Gebieten am Weg bieten diesen Service an. Zur Sicherheit – und auch weil es die Höflichkeit gebietet – sollte man jedoch per Email anfragen, ob es möglich sei, ein an sich adressiertes Paket zu senden. Neben Arthur’s Pass habe ich Proviant auch nach St. Arnaud und Boyle gesendet. Im Grund genommen gibt es immer die Möglichkeit, irgendwie per Anhalter irgendwohin zu fahren, um sich zu verpflegen, das wiederrum kostet jedoch Zeit und ist oft umständlich.

5. Wie lange dauert ein Thruhike?

Ein Thruhike des Te Araroa dauert, so lange er dauert. Manche Wanderer absolvieren die 3000 km innerhalb von knapp 90 Tagen, anderen nehmen sich ein halbes Jahr lang Zeit. Die meisten Wanderer benötigen etwa 4 bis 5 Monate, um beide Inseln zu queren.

Insgesamt würde ich raten, mit eher mehr Zeit als zu wenig zu starten. Neben dem Te Araroa hat Neuseeland so viel mehr zu bieten und viele Wanderer unternehmen Abstecher, z.B. zum Mt. Cook oder zu den Fjorden an die Westküste oder binden andere Wanderwege, über die Neuseeland in rauhen Mengen verfügt, mit ein. Es gibt nichts Schlimmeres, als irgendwann über den Trail hetzen zu müssen.

6. Ist ein Thruhike nur ein Thruhike, wenn ich jeden einzelnen Kilometer wandere?

Ich habe auf dem TA im Grunde zwei Gruppen Wanderer getroffen: Einerseits gibt es die „Puristen“, die jeden einzelnen Kilometer gehen wollen, selbst einen über 100 km langen berüchtigten Abschnitt auf einer Straße entlang auf der Nordinsel. Dann gibt es Wanderer, die das Erwandern des TA entspannter angehen und somit langweilige und manchmal auch gefährliche Abschnitte entlang von Straßen per Anhalter oder mit dem öffentlichen Nahverkehr umfahren.

Jede Wanderung ist eine eigene persönliche Wanderung und ich selber denke, dass es weniger wichtig ist, von sich selbst sagen zu können, dass man jeden einzelnen Kilometer eines Wanderweges gelaufen ist als zu sagen, dass man Spaß hatte und das Laufen genossen hat. Aber das muss jeder selbst für sich entscheiden. Wobei ein richtiger Thruhike auch nur eine Wanderung ist, die man komplett gewandert ist.

7. Benötige ich eine Genehmigung?

Nein, im Gegensatz zum z.B. Pacific Crest Trail, benötigt man keine Wanderlerlaubnis für den Te Araroa. Man kann sich jedoch freiwillig auf der offiziellen Webseite des Te Araroa registrieren, wozu ich raten würde. So hat das Department of Conservation dann eine etwaige Vorstellung, wie viele Wanderer auf dem Weg unterwegs sind und sie können Statistiken erstellen, die darin münden könnten, dass mehr Geld der Erhaltung und dem Ausbau des Weges zugeführt wird.

8. An was muss ich noch denken, wenn ich den Te Araroa wandern will?

Auf der Südinsel gibt es ein sehr gut ausgebautes Hüttensystem, auf welches man als Wanderer zurückgreifen kann. Um die Hütten im vollen Umfang, d.h. jede Hütte, nutzen zu können, sollte man sich im Vorfeld einen Hüttenpass kaufen. Diesen kann man in jeder Touristeninformation oder hier für 92 NZD erwerben und er ist dann 6 Monate lang gültig. Dazu würde ich definitiv raten. Die Hütten sind gerade im regnerischen Neuseeland eine nette Alternative zum Schlafen im Zelt.

Aus Deutschland kommend, kann man bei der Einreise eine dreimonatige Aufenthaltserlaubnis bekommen. Natürlich gibt es die Möglichkeit, sich im Vorfeld um ein Touristenvisum zu bemühen, welches einen Aufenthalt von 6 Monaten erlaubt. Weitere Informationen gibt es auf der Seite der neuseeländischen Botschaft. Man kann jedoch auch nach Ablauf der 3 Monate das Land verlassen und einen kleinen Abstecher nach Australien oder in die Südsee machen, und danach wieder einreisen. Bei erneuter Einreise werden erneute 3 Monate Aufenthalt erteilt. Ein Flug nach Australien oder in die Südsee muss nicht teuer sein, und wenn man einmal in der Gegend ist …. kann man zum Beispiel auch mal nach Tonga fliegen.

Author

Exploring the world and myself by two feet.

Kommentar verfassen

%d