Nach einem langen anstrengenden Tag auf dem Trail möchte ich nachts nicht auf Komfort verzichten: Mir ist guter Schlaf wichtig. Wenn ich nachts nicht gut schlafen kann, weil ich mich auf einer umbequemen Unterlage hin und herrolle, im Schlafsack schwitze oder frieren muss, Wasser ins Zelt eindringt oder ich Angst haben muss, dass es bei Windböen gleich davon weht, dann werde ich auch den folgenden Tag auf dem Trail nicht genießen können.

Hier soll es im Folgenden also um “die großen Drei” gehen: Zelt, Schlafsack, Rucksack.

  1. Zelt

Die Auswahl an Zelten ist groß. Auch was eigentlich ein Zelt ist, wird unterschiedlich definiert. Manchen genügt ein Biwaksack als Schutz, andere wandern mit einem Tarp. Das ist eine meist rechteckig Zeltbahn, die lediglich über eine Schnur (zwischen zwei Bäume gespannt oder von einem Baum zum Boden gespannt) gelegt wird und an den Ecken direkt am Boden oder abgespannt zum Boden verankert wird. Alternativ kann man Trekkingstöcke oder Äste als Zeltstangen verwenden. Das Tarp ist vor allem bei Ultraleicht-Wanderern beliebt. Sein Nachteil ist, dass man damit aufgrund der offenen Struktur wechselndem Wind und Insekten ausgesetzt ist.

Dann gibt es freistehende Zelte, Zelte, die man abspannen (also im Boden oder mit Steinen befestigen) muss, doppelwandige, einwandige, Tunnelzelte, Kuppelzelte, Geodät-Zelte, mit Apsis, ohne Apsis, aufblasbare Zelte, … Die Auswahl ist groß und auch davon abhängig, wo man wandern wird.

Mir persönlich wichtig ist eine gute Balance zu finden zwischen Stabilität, Gewicht, Standhaftig- und Haltbarkeit sowie Preis. Ich wollte ein Zelt, dass 1) freistehend ist, weil man vielleicht nicht überall eine Oberfläche vorfindet, in der man ein Zelt mit Heringen verankern kann; 2) doppelwandig ist, damit sich bildendes Kondenswasser leichter verdunsten kann und neben nicht auf meinen Schlafsack oder gar mir ins Gesicht tropft; 3) eine größere Apside hat, damit ich meine Schuhe außerhalb des Zeltes unterbringen und auch bei schlechtem Wetter draußen kochen kann; 4) trotzdem nicht zu schwer ist, weil ich u.U. tagelang mit dem Rucksack auf dem Rücken unterwegs sein würde.

So ist es das MSR Hubba NX 1 geworden. Das ist ein freistehendes 1-Personen-Zelt mit Außenzelt und auch einzeln aufbaubarem Innenzelt (praktisch für warme Nächte in der Wüste und wenn man Mücken oder sonstiges Getier von sich fern halten möchte). Es wiegt etwa 1,2 kg, bietet mir mit meinen 1,68 m genügend Platz. Den Rucksack kann ich unter der geräumigen Apside verstauen; bei Regenwetter habe ich auch schon unter dieser mein Essen zubereitet. Mit ein wenig Übung ist es innerhalb von 10 Minuten auf- und noch schneller wieder abgebaut.

Dieses Zelt begleitet mich nun schon über mehrere Jahre, hat Stürme über dem Grasland der Mongolei ausgehalten, Hagel- und Gewitter in den Bergen Kirgistans, war mein Zuhause im Dauerregen des pazifischen Nordwestens der USA, im Staub Nordkaliforniens und in der nächtlichen Kälte der High Sierra. Einzig ein bisschen mehr als ein paar vereinzelte Schneeflocken musste es noch nicht abhalten.

2) Schlafsystem

Mein Schlafsystem besteht aus einem Daunenquilt, einer aufblasbaren Schlafmatte und bei Bedarf einem Seidenschlafsack.


  • Schlafsack oder -quilt

Zunächst einmal sollte man entscheiden, ob man einen Daunen- oder einen Synthetikschlafsack benutzen möchte. Daune hat eine sehr gute Wärmeleistung, ist leicht und lässt sich gut verpacken. Daune jedoch ist äußerst empfindlich, wenn sie feucht wird. Dann nämlich verklumpt sie, verliert ihre Fähigkeit zu wärmen und ist nur schwer wieder trocken zu bekommen. Da Daune ein tierisches Produkt ist, kann leider nicht immer ausgeschlossen werden, dass diese aus tierquälerischer Haltung stammen. Synthetik hat den Vorteil, dass diese Schlafsäcke schneller trocknen, ihnen Feuchtigkeit nicht so viel ausmacht und sie eben nicht von Tieren stammen. Synthetikschlafsäcke jedoch sind meist etwas schwerer und lassen sich nicht ganz so klein verpacken wie Daunenschlafsäcke. Natürlich halten auch sie entsprechend warm, aber Daune produziert eine andere Wärme als Synthetik. Für regenreiche Wanderziele wie etwa Skandinavien, die britischen Inseln und auch Neuseeland , würde ich eher zu einem Synthetikschlafsack raten. Ich bin einmal mehrere Tage im Regen mit einem nassen Daunenschlafsack gewandert. Ich konnte ihn auswringen, leider unterwegs nicht in der Sonne trocknen lassen und er verlor deutlich an Wärmeleistung.

Quilt oder Schlafsack? Es gibt mittlerweile immer mehr Varianten eines Schlafsackes. Ich besitze sowohl einen sogenannten Mumienschlafsack als auch einen Quilt. Mein Mumienschlafsack hat eine Kapuze, die ich über meinen Kopf und teilweise tief ins Gesicht ziehen kann. Man ist wie eine Mumie im Schlafsack “eingepackt”. In kälteren Gegenden ist dies äußerst praktisch. Mittlerweile möchte ich jedoch meinen Daunenschlafquilt Enigma 20 von der US-amerikanischen Firma Enlightend Equipment nicht mehr missen. Im Grunde ist dies eine Daunendecke, die im Fußbereich bis etwa kurz übers Knie zusammengenäht ist. Es gibt keine Kapuze und keinen Reißverschluss. Entweder nutzt man den Quilt quasi wie eine Decke oder man schlingt ihn um sich. Wer unruhig schläft und verhindern möchte, dass der Quilt nachts verrutscht, kann die mitgelieferten Gummibänder benutzen und dann den Quilt fest an der (am besten aufblasbaren) Schlafunterlage befestigen.

Vorteile des Quilt sind ein sehr leichtes Gewicht, ein noch kleineres Packmaß als ein vergleichbarer herkömmlicher Schlafsack und dass man, wenn man nachts schwitzt, den Quilt einfacher “aufklappen” und/oder einfach ein Bein ins Freie strecken kann, ohne dass man sich an einem Reißverschluß abmühen müsste.

Nachteile des Quilts sind jedoch, dass man sich erst an die Handhabung dessen gewöhnen muss. Die ersten Nächte bin ich immer wieder “raus gerutscht” und lag im Kalten. Irgendwann hatte ich den Dreh raus und lag auf der Öffnung, d.h. habe die losen Enden des Quilts unter mich gesteckt. Auch mag man eventuell eine Kapuze wie beim Mumienschlafsack vermissen. Etwa 20% der Körperwärme gehen über den Kopf verloren. In kalten Nächten sollte daher eine Mütze zum Schlafsystem gehören.

Fazit: Für Wanderungen in Gegenden, in denen es nicht übermäßig kalt ist, würde ich perönlich immer wieder zum Quilt greifen.

  • Schlafmatte

Die wohl beste Anschaffung der letzten Jahre im Bereich Wanderausrüstung war eine aufblasbare Schlafunterlage. Einige Jahre hatte ich eine einfache Schaumstoffunterlage, die ich in irgendeinem kleinen Laden für 15 EUR gekauft hatte. Ja, mir tat morgens immer der Rücken und vor allem die Hüfte weh. Für mich gehörte dieser Schmerz und die morgendliche Steifheit jedoch lange Zeit einfach zum Wandern dazu.

Bevor ich auf dem Pacific Crest Trail startete, leistete ich mich für 160 USD eine aufblasbare Schlafmatte und habe es nie bereut. Mein Schlafen in der Natur hat plötzlich eine nie gekannte Qualität bekommen! Ich war morgens ausgeschlafen und erholt. Der Rücken schmerzte nicht und meine Hüfte beschwerte sich auch nicht mehr über jedes Steinchen unter dem Zelt.

Zwei Nachteile meiner Therm-A-Rest NeoAir zlite gibt es: Zum einen, dass sie relativ laut ist. Jede Bewegung kommentiert sie mit einem leisen Rascheln und Knistern. Irgendwann störte mich das nicht mehr, aber wenn man nicht allein zeltet, kann das für andere Personen durchaus störend sein. Zum anderen, dass sie aufgepustet werden muss. Mich persönlich stört auch das nicht, zumal es auch einen sogenannten Pumpsack gibt, mit dem die Matte aufgeblasen werden kann. Dies ist auch die hygienischere Variante. Denn durch das Aufpusten mit Atemluft bilden sich bereits nach relativ kurzer Zeit kleine schwarze Punkte, also Schimmel, in der Matte.

Trotzdem möchte ich diese Matte nicht missen, die mich mittlerweile seit fast 2 Jahren sehr häufigen Gebrauchs (auch nett als weichere Auflage auf brettharten indischen Betten) nicht im Stich gelassen hat.

  • Schlafsackinlet

Zusätzlich zum Schlafsack bzw. Schlafquilt benutze ich ein Seideninlet von Frilufts. Das ist ein Seidenschlafsack, den ich häufig im Schlafsack/-quilt in Benutzung habe. Dieses Inlet verhindert, dass der Schlafsack/-quilt schnell verschmutzt, saugt Feuchtigkeit auf und kann ein paar Grad mehr Wärme halten. Neben Seideninlets gibt es auch Fleeceinlets, die im Handumdrehen den ursprünglichen Schlafsack wärmer machen.

3) Rucksack

Lange Zeit war ich mit dem Rucksack Osprey Kestrel unterwegs. Er fasst etwa 68 l und hatte ein Eigengewicht, dass weit über 2 kg lag. Ich machte mir nie viele Gedanken um das Gewicht meiner Ausrüstung.

Viel mehr stand für mich im Vordergrund, dass ich all meine Ausrüstung und den ganzen Kleinkram, den ich mit mir umhertragen wollte, irgendwie im Rucksack unterbringe. Auch viele Extrataschen und unterschiedlliche Fächer empfand ich als praktisch.

Als ich jedoch auf dem Pacific Crest Trail unterwegs war, entledigte ich mich Stück für Stück meiner sehr klassisch-europäisch geprägten Einstellung gegenüber dem Wandern und tauschte unter anderem auch den Kestrel gegen einen neuen und um einiges leichteren Rucksack aus: Osprey Exos 58.

Der Exos hat trotz seines relativ leichten Eigengewichts einige Features, die andere Leichtgewichtsrucksäcke nicht haben (die sind dann aber nochmal ein paar Hundert Gramm leichter).

  • Er verfügt über ein Tragesystem, was den Rucksack nicht direkt am Rücken, sondern mit etwas Abstand zu ihm führt. Das empfinde ich als äußerst angenehm.
  • Der Hüftgurt ist gut gepolstert und breit genug, um nicht einzuschneiden und verfügt über zwei kleine äußerst praktische Taschen. Besonders hervorheben möchte ich, dass die Riemen des Hüftgurtes bei enger Einstellung nicht vor dem Körper herabhängen und herumschlackern, sondern sie werden in einer kleine Führung vom Körper weg geführt.
  • Auch die Trageriemen sind an den wichtigen Stellen gut gepolstert und sehr angenehm zu tragen.
  • Der Brustverschluss ist in der Höhe verstellbar.
  • Wer noch etwas Gewicht einsparen möchte, kann die oberste Verschlusstasche des Rucksacks abnehmen.
  • Links und rechts gibt es jeweils eine große Seitentasche für z.B. Wasserflaschen. Besonderes Feature ist, dass diese Taschen einen Zugriff an der Seite haben, so dass man auch im Gehen ohne die Arme zu sehr verrenken zu müssen, seine Flasche erreichen kann.
  • Eine große Tasche aus Mesh an der Vorderseite hält locker eine Regenjack, ein wenig Kleinkram oder auch mal ein nasses Zelt.
  • Im Rucksack ansich gibt es einen Einschub für die Trinkwasserblase. Da ich selber eher Flaschen für Wasser mag, nutze ich diesen Einschub um z.B. Reiseunterlagen getrennt vom sonstigen Inhalt des Rucksacks aufzubewahren.
  • An kleinen Schlaufen kann man einen Eispickel außem am Rucksack befestigen.

Negativ empfinde ich, dass

  • das Mesh an der Vorderseite ist nicht sehr ausdauernd ist. Bereits nach kurzer Zeit hatte ich kleine Löchlein im Material.
  • der Rucksack nicht unbedingt für kurze Oberkörper gemacht ist.

Ich bin jedoch trotzdem sehr mit dem Exos zufrieden, wobei mich mir für eine nächste Langstreckenwanderung die nächstkleinere Variante – den Exos 48 (=48 l Fassungsvermögen) zulegen würde.

Author

Exploring the world and myself by two feet.

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