Tag 1: … Im Amicolola Falls State Park beginnt der Weg zum Benton Mackaye Trail. Nach etwa 10 Meilen erreicht man dann endlich den Trail. Das Wetter ist sonnig, aber kühl und ganz langsam hält der Frühling Einzug in den Appalachen. 


Tag 2: Nach etwa 12 Meilen beendeten wir heute den Tag am rauschenden Toccoa River. Auf beiden Seiten gibt es einige schöne Zeltplätze. Wir nahmen den Weg über die Hängebrücke und schlugen unser Zelt in der letzten Abendsonne auf.


Nobody said it would be easy! Tag 3 auf dem Benton Mackaye Trail – wir haben Glück mit dem Wetter, denn wir werden von der Sonne verwöhnt. Aber der Trail ist herausfordernd: die Appalachen sind kein hohes Gebirge, aber der Weg führt auf und ab und auf und ab … die Beine und Füsse tun weh, aber die Blicke über Georgia entschädigen.


Tag 4 – Das erste Mal, seit wir auf dem Benton Mackaye Trail unterwegs sind, kommen wir der Zivilisation wieder recht nah. Wir treffen auf eine kleine Siedlung am Toccoa River und dort gönnen wir uns einen leckeren Cheeseburger und einen grossen Milkshake zum Dessert. 


Tag 5 – Heute werden wir in Blue Ridge ankommen, der ersten Trailtown auf unserem Weg. Aber in der Nacht ist ein heftiger Gewittersturm über den Südosten der USA gezogen, der schon in Texas und Alabama verheerende Schäden angerichtet hat. Die Ausläufer haben uns heftiges Gewitter in der Nacht, Starkregen und damit hohe Wasserstände beschert. Wie kurz vor dem Appalachian Highway 76, von dem aus wir versuchen werden per Anhalter nach Blue Ridge zu fahren, sind harmlose Bachläufe plötzlich reißende Flüsse oder kleine Teiche. Dieser kleine Creek, der über den Weg bwz. die Straße fließt, ist heute Morgen oberschenkeltief. Mir ist’s egal – da ich sowieso nass bis auf die Knochen bin, laufe ich einfach durch. 

Glücklicherweise werden wir am Highway schon nach 10 Minuten von einem jungen Pärchen aus Florida in ihrem Truck mitgenommen. In Blue Ridge wartet ein weiches Motelbett, eine warme Dusche und ganz viel kalorienreiches Essen auf uns. P.S. … da mein altes Telefon den Regen nicht überlebt hat, kommen die weiteren Wandertage erst jetzt, mit gehöriger Verspätung ;-).


Tag 6: Gegen Mittag verlassen wir Blue Ridge, wo wir die Nacht in einem Motel verbracht und nicht nur das Zelt getrocknet, sondern uns mit leckeren kalorienreichen Essen – hmmm, Waffeln, Burger, BBQ – versorgt haben. Unser Tagesziel ist Hatley Gap und damit liegen etwa 12 Meilen vor uns. Das Unwetter ist größtenteils weitergezogen; es tröpfelt nur noch etwas, aber dafür ist es recht kalt. Nach wenigen Meilen kommen wir zur Indian Rock Shelter. Das ist eine der wenigen Schutzhütten auf dem Benton MacKaye Trail. Die hätten wir uns während des Unwetters gewünscht. Beim Weitergehen muss ich an Blue Ridge zurück denken: eine typische Kleinstadt im ländlichen Südosten der USA. Weiße Bevölkerung, Männer mit Flanellhemden, Hüten, Camouflage-Outfits, Basecaps mit Slogans zur Unterstützung des aktuellen Präsidenten. Wenn man wandert, kommt man in Gegenden, die wohl sonst Touristen wenig zu Gesicht bekommen; kommt in Kontakt mit Menschen, die man entlang der großen Routen nicht trifft. Es ist nicht nur der Weg ansich, der interessant ist. Wandern, also das langsame Fortbewegen über Land, beschert uns nicht nur großartige Landschaftseindrücke, sondern interessante Einblicke in Geschichte, Kultur und die Seele eines Landes. 


Tag 7: Die Sonne ist zurück und wird uns die ganzen 14 Meilen des heutigen Tages bis Peter Cove Branch begleiten. Der Trail führt uns heute im Vergleich zu den letzten Tagen eher sanft Auf und Ab. Als wir auf dem Flat Top Mountain ankommen, machen wir eine kurze Pause unter einer alten Eiche und entdecken ein altes Fundament eines Hauses. Für mich ist es immer wieder überraschend in der Abgeschiedenheit der Appalachen auf Spuren früherer Besiedlung zu stoßen. Auch heute begegnen wir – bis auf einen Jäger – keiner anderen Wanderseele. Und das, obwohl auf der heutige Etappe zwei Wege aufeinanderstoßen: Der Pinhoti-Trail, der 540 km durch Alabama und Georgia verläuft, findet sein nördliches Ende (oder seinen Anfang) an einer Biegung des Benton MacKaye Trails


Tag 8: Die heutigen 17.5 Meilen zum Thunder Rock Campground laufen sich locker weg, obwohl wir heute mit dem Big Frog Mountain den ersten Berg über 4000 ft. erklimmen. Wir laufen durch lichten Laubwald, wo, je höher wir kommen, nur ganz vorsichtig das erste Frühlingsgrün sprießt. Der Benton MacKaye Trail windet sich stetig bergan und die Appalachen lassen uns wieder einmal kräftig ins Schnaufen kommen. Auch wenn selten mit belohnenden Blicken übers Land gerechnet werden kann, macht dieser Trail nach wie vor großen Spaß, wenn man lernt, die kleinen Dinge links und rechts des Weges zu sehen und zu mögen. Unendlich viele Tausendfüßler kreuzen unseren Weg (oder wir ihren), Vogelgezwitscher begleitet uns, liafarbene zarte Blüten recken sich der Sonne entgegen, zartes Grün überall. Und plötzlich führt uns der Weg inein in einen Rhododendron-Tunnel. Mittlerweile sind wir in Tennessee angekommen. Bundesstaat Nummer 2 auf diesem Trail. 


Tag 9: Auch der heutige Tag ist sonnig und warm. Was für ein Glück … sind doch die Appalachen eigentlich eine regenreiche Gegend. Wir verlassen den Thunderock Campground nicht ohne das große Wasserkraftwerk am Ocoee River zu bestaunen. Der Ocoee wird nicht nur zur Gewinnung von Energie genutzt (und das ist nur EIN Kraftwerk in einem großen Staudammsystem in den Appalachen), sondern war 1996 auch Austragungsort der Kajakwettbewerbe der Olympischen Spiele von Atlanta. Aber Highlight des Tages war, dass wir die 100-Meilen-Marke des Benton MacKaye Trails überschritten haben. Die heutigen 14 Meilen sind beschwerlich, denn seit wir in Tennessee unterwegs sind, ist der Trail überwuchert, wir klettern über unzählige umgestürzte Bäume und müssen immer wieder Creeks und Bachläufe furten. Wir genießen es trotzdem, hier in der Abgeschiedenheit unterwegs zu sein! 


Tag 10: Wir erreichen gegen Mittag den kleinen Ort Reliance, der direkt am Hiwassee River liegt. Es scheint ein Mekka für Rafting und Kajakfahren zu sein, denn in diesem Miniort gibt es zwei Tourenanbieter. Kein Wunder, der Fluss, der hier breit und ruhig durch die liebliche Gegend fließt, lädt förmlich ein, ihn per Kajak zu erkunden. In Reliance versorgen wir uns mit Proviant für die nächsten drei Tage und essen einen überaus leckeren Cheeseburger im FlipFlop Burgers. Die Temperaturen steigen heute auf etwa 30 Grad. Zum Glück führt der Benton MacKaye Trail heute vor allem am Ufer des Flusses entlang und die heutigen 12.6 Meilen laufen sich wieder fluffig weg. Wir treffen zu unserer Überraschung zwei andere Wanderer – sie sind zwar nur einen Tag unterwegs, aber es gibt eine Menge zu erzählen, denn beide sind vor einigen Jahren den Appalachian Trail ge-thruhiked. Wir schlagen unser Zelt am späten Nachmittag am Ufer des Hiwassee auf. 


Tag 11: Wir erwachen bei leichtem Nieselregen. Mein Partner hat die ganze Nacht schon unruhig geschlafen – Rückenschmerzen! Nur sehr langsam kommen wir in die Gänge. Die folgenden Meilen sind anstrengend, aber schön. Der Benton MacKaye Trail führt im wilden Auf und Ab mehr oder weniger am Hiwassee River entlang. Als wir gegen Mittag an einem Highway ankommen, entscheiden wir, nach Ducktown zu fahren, um den Rücken meines Partners ein weiches Bett und ein bisschen Erholung zu gönnen. Auch nach einer halben Stunden hat noch kein Auto angehalten. Dass der Verkehr hier äußerst spärlich ist, ist nicht hilfreich. Letzendlich hält der Sheriff des Countys und gibt uns einen Ride. So sitzen wir auf der Rückbank eines Sheriffautos und fahren hinab ins Tal nach Ducktown, wo nicht nur ein Motel sondern auch leckeres Essen auf uns wartet. Ducktown ist eine der alten Mienenstädte, die jedoch – seit der Kupferabbau in den 80ern und 90ern an Rentabilität verloren hat – unter Einwohner- und definitiv an Bedeutungsschwund leidet. Drückt die Daumen, dass Johns Rücken wieder besser wird.


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Exploring the world and myself by two feet.

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