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Ist Mehrtageswandern gleich Weitwandern gleich Thru-Hiking?

Ich meine, es war Anfang des Jahres, als ich auf dem Social Media-Account der US-Wandercommunity “The Trek” eine Slide gesehen habe, auf der man die Do’s and Dont’s für das neue Jahr vorgestellt hat. Besonders hängengeblieben ist, dass es out ist, als einzelner oder als Gruppe anderen vorzuschreiben, was es eigentlich bedeutet, zu thru-hiken oder welche Kriterien erfüllt sein müssen, um zur Gruppe der thru-hiker zu gehören. Richtig so! Denn mit Gatekeeping wird versucht, sich als Teil einer exklusiven Gemeinschaft zu definieren, deren Zugehörigkeit man sich erst “verdienen” muss, indem man etwa “mindestens 30 km pro Tag geht”, das „“Baseweight des Rucksacks nicht höher als 6 kg sein sollte” oder man wirklich jeden Meter gehen sollte, um einen ‘continuous footpath’ zu haben. Warum ist das alles problematisch?

… und damit widerspricht dies komplett der Grundidee des Weitwanderns: 

Hike your Own Hike! 

In diesem Zusammenhang möchte ich mir Begriffe ansehen, die in der Welt des Wanderns oft synonym verwendet werden, aber wenn man genauer hinsieht, doch völlig unterschiedlich sind. Oder? Ob du nun ein paar Tage über ein verlängertes Wochenende unterwegs bist und zeltest, ob du von Pension zu Pension mit leichtem Rucksack läufst, du auf dem Camino pilgerst oder fünf Monate den Pacific Crest Trail thru-hikst und quasi draußen lebst – die Bewegung bleibt gleich. Aber wenn man genauer hinschaut, unterscheiden sich die mentalen und logistischen Anforderungen fundamental. 

Dabei ist weder das eine Konzept besser als das andere – es ist schlicht ein anderes Konzept mit anderen Anforderungen.

Aber alles der Reihe nach: 

Die Klassiker der Distanz

Die “Königsdisziplinen” & Rekorde

Die Art des Unterwegsseins

Freiheit vs. Struktur

Wie gesagt, es gibt weder die eine richtige Form des weiten Wanderns noch irgendwelche falschen Formen. Es gibt unterschiedliche Art und Weisen, sich auf den Weg zu machen – für ein paar Tage oder gar mit offenen Ende oder gar offenem Ziel. Die Herangehensweisen ändern sich: für Fernwanderungen muss ein anderes Mindset her als für Mehrtagestouren, da man für deutlich länger als ein paar Tage motiviert sein und bleiben sollte und auch metaphorische Täler durchlaufen wird. Auf einer Tour, die man von Unterkunft zu Unterkunft bestreitet, muss die Logistik anders geplant werden als auf einem Weg, auf dem man mit Zelt unterwegs ist und man vielleicht sogar wie etwa in Skandinavien relativ frei zelten kann. Wandert man in relativ dicht besiedelten Gebiet muss man weniger Proviant planen als in abgelegenen Wildnisgebieten, wo man nur alle 5-8 Tage durch einen Ort kommt, in dem man Verpflegung nachkaufen kann. 

Und zum Schluss doch noch ein Zusatz, der eventuell wie Gatekeeping klingen könnte, aber eine sehr persönliche Erfahrung darstellt: Auch wenn Wege wie der West Highland Way, der Lechweg oder der Malerweg im Allgemeinen unter ‚Weitwandern‘ laufen, haben sie für mich persönlich noch nicht die mentale Tiefe erreicht, die ich mit dem Weitwandern verbinde.

Das hat nichts mit der Schönheit der Strecke zu tun, sondern mit einem inneren Prozess. Bei mir ‚passiert‘ psychologisch oft wenig auf Wegen, die man in ein bis zwei Wochen gehen kann. Der echte Wandel beginnt erst dann, wenn sich das anfängliche Glücksgefühl abnutzt und die Euphorie dem Alltag weicht. Wenn man auch mal schlechte Tage erlebt – vom Wetter, der Motivation oder der Stimmung her – und trotzdem weiterläuft, obwohl man weiß, dass man nicht morgen, sondern erst in 150 Kilometern am Ziel ankommt.

Noch einmal: Es geht mir persönlich um meine eigene psychologische Definition, um einen mentalen Umschaltpunkt. Für meine Seele ist es erst dann Weitwandern, wenn der Alltag verblasst und das passiert mir meist erst nach 2-3 Wochen. Ich habe meine Perspektive ausgeweitet und gepusht, das mag aber für andere Wandernde ganz anders aussehen. Letztendlich geht es darum, wandernd unterwegs zu sein und dann ist es doch eigentlich auch egal, wie man es benennt. 

Wie sehr ihr das?


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